Stefan Andres

Stefan Andres wurde am 20.06.1906 als Sohn eines Müllers im Tal der kleinen Dhron auf der Breitwieser Mühle nahe dem Moselort Trittenheim geboren.

Der Bau der Dhrontalsperre entzog den unterhalb gelegenen Mühlen die Existenzgrundlage, und so erwarb die Familie Andres mit der ausgezahlten Entschädigung eine bescheidene Landwirtschaft im nahegelegenen Schweich. Die Jahre der frühen Kindheit und Jugend im >>Dhrönchen<< und in Schweich erzählt Andres in seinem Roman >>Der Knabe im Brunnen<<, einem faszinierenden, phantasie- und humorvollen Buch, hinter dessen kindlich-naiven Beobachtungen sich religiöse und philosophische Fragen von existentiellem Gewicht verbergen. Zum Priester bestimmt, erkannte er jedoch früh seine literarische Berufung. Nach kurzem Studium wurde er freier Schriftsteller.

1937 verließ er Nazideutschland und emigrierte mit seiner Familie nach Positano / Süditalien. Es folgte eine Zeit der Entbehrungen, aber auch des literarischen Schaffens (>>Wir sind Utopia<<, >>Das Tier aus der Tiefe<<).1951 nach Deutschland zurückgekehrt und in Unkel am Rhein niedergelassen, wird Andres zum politisch engagierten Dichter, Kämpfer gegen atomare Aufrüstung und für Aussöhnung mit dem Osten sowie europäische Einigung (>>Hochzeit der Feinde<<).1961 übersiedelte er nach Rom, dem Zentrum der Antike und des Christentums als wichtiger Quelle seiner Inspiration. In seinem letzten Werk, >>Die Versuchung des Synesios<<, 1971, ein Jahr nach seinem frühen Tod erschienen, vereinte Andres meisterhaft die Leitmotive seines künstlerischen Schaffens: Antike - Christentum, Schuld - Sühne, Gewalt - Gnade.

Mit einer Auflage von heute 3 Millionen Exemplaren dürfte Stefan Andres zu den meistgelesenen Autoren der deutschen Sprache in der Nachkriegszeit zu rechnen sein. Seine Werke wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt.

Wofür Stefan Andres gelebt, geschrieben und gekämpft hat, ist und bleibt aktuell: die leidenschaftliche Wahrheits- und Gottsuche, der Gedanke der Toleranz und der Humanität, das Engagement gegen jeden Machtanspruch in Kirche und Staat, die Verteidigung des mündigen und freien Christen und Staatsbürgers, die Abrüstung und Überwindung des Blockdenkens, die Aussöhnung mit den osteuropäischen Staaten und die Einigung Europas.

Um sein Werk - der Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv in Marbach - kümmert sich die internationale Stefan-Andres-Gesellschaft in 54338 Schweich.

 

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